Guckloch

alles zwischen poesiealbum und kommt noch. macht mensch eigentlich nicht, da reingucken, aber im internet geht das schon, oder?

dann halt dich gut fest im gewühl findet sich spontanes, raues, rohes, ohne ein konkretes ziel, manches bewusst idiotisch und kindisch, weil es mir so gefällt, oder gerade eben nicht, -oder dazwischen liegen welten- eben beides. ich fabriziere rohtexte, gehe gern nochmal mit ihnen spazieren und lass sie sein.



Julia ohne Romeo, Leben in Verwandschaftskonstrukten

ein Leben lang habe ich mich gequält mit irgendwelchen

vorstellungen, wie etwas sein müsste, wer da sein müsste und wer nicht, sei es ein vater, ein freund, eine oma, all das war nie passend für mich. immer ein riesiger stachel, der letztlich auch in meiner ignoranz mündete.

all die gerüste, die uns als kinder beigebracht werden, sie münden in dieser qual.

andersrum geht es mir genauso. ich bin nicht die julia, die du dir vorstellst. und will sie auch nie sein.

wir alle sind wandelbar und der versuch uns in soziale gerüste zu quetschen, macht uns blind und letztlich krank.

bis ich merkte, dass ich keinen vater brauchte, hat dieser mich auch ordentlich lange benutzt für seine freundlich ausgedrückten nöte. tatsächlich in beziehung getreten ist er noch nie mit mir.

wir sind nur der qualm unserer eltern, wenn wir ihre nöte nicht erkennen, doch helfen, kann ich ihm nicht, er hat die züge 10.000 mal gegen die wand gefahren.

was ich tun kann, ist es die farce in der gesellschaft nicht weiter zu nähren, mir nicht vorzumachen, dass wir all diese verwandschaftgerüste brauchen, oder das sie etwa ausreichen würden, um uns verbunden und nah zu sein, denn wir sind es längst,

und jede pappschachtel ist, was sie ist,

eine pappschachtel, die bei regen nass wird und kaputt geht. wir müssen immer wieder überdenken wollen, was liebe uns bedeutet, wie wir zu ihr und den menschen stehen, es gibt dafür keinen begrenzten karton. andererseits dürfen wir auch in liebe loslassen und gehen, die liebe aus pflichtgefühl zu opfern ist irgendwann eine leere liebe.
und ja es ist mega schwer in dieser gesellschaft die menschen zu erkennen mit denen wir harmonieren, aber möglich. und ich finde glückliche familien wundervoll, da ich vermute, dass sie sich auf echter verbundenheit gründen, anstatt sich zu treffen und alle statusqualifikationen und statusquos abzufragen, oder in egoistischen machtgefechten untereinander total unsolidarisch zu wirken.

andererseits der balkon auf dem julia steht, das ist die gesellschaft, die rahmenbedingungen, das familien eigentlich viel zu wenig zeit haben, um all dies zu entwickeln, und ich habe jedes verständnis für meine eigene dummheit, meine begrenztheit, oder meine zwang geld zu verdienen ebenso für das gleiche meiner liebsten.

aber hört doch bitte auf euch vorzumachen, dass wir hier alle zu unseren bedürfnissen kommen auf diesem balkon.

wir frickeln sie uns zusammen, oder wir lernen: das unwesentliche wegzulassen.

juljotte